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Kunstlicht und Blitz

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Kunstlicht und Blitz
Bild: Paul Komarek, CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

Kurz gesagt

  • Ein Blitz ist ein sehr kurzer, heller Lichtstoß; Dauerlicht bleibt an, sodass du siehst, was du bekommst.
  • Indirektes Blitzen oder ein entfesselter Blitz gibt weicheres, natürlicheres Licht als ein direkt aufs Motiv gerichteter Blitz.
  • Die Verschlusszeit steuert den Anteil des Umgebungslichts; Blende und Blitzleistung steuern den Blitzanteil.
  • Oberhalb der Synchronzeit (oft etwa 1/200 s) brauchst du die Kurzzeitsynchronisation (HSS), die viel Blitzleistung kostet.

Dauerlicht oder Blitz

Dauerlicht (LED-Panels, Lampen) bleibt eingeschaltet. Was du siehst, bekommst du auch, deshalb ist es leicht zu lernen und für Video unverzichtbar.

Ein Blitz gibt einen Lichtstoß von etwa 1/1.000 s oder kürzer ab (ungefähr). Für seine Größe und seinen Akku ist er viel heller, und der kurze Stoß friert Bewegung ein.

Der Haken: Die Wirkung eines Blitzes siehst du erst nach der Aufnahme. Einstelllicht an Studioblitzen und das einfache Prüfen von Testaufnahmen schließen diese Lücke.

Leitzahl: Wie stark ist ein Blitz?

Die Leitzahl (LZ) beschreibt die Leistung eines Blitzes: LZ = Entfernung × Blendenzahl bei einer bestimmten ISO, meist ISO 100. Ein Blitz mit LZ 40 (Meter) beleuchtet ein Motiv in 10 m Entfernung bei f/4 oder in 5 m bei f/8.

Leitzahlen werden in Metern oder in Fuß angegeben. LZ 40 in Metern entspricht etwa LZ 131 in Fuß, prüf also, welche Einheit ein Datenblatt verwendet.

Hersteller nennen die Leitzahl oft bei der längsten Zoomstellung des Blitzreflektors, was den Wert schönt. Nimm sie als groben Anhaltspunkt für Vergleiche zwischen Geräten (ungefähr).

Doppelte Entfernung erfordert viermal so viel Licht (das Abstandsquadratgesetz), deshalb fällt Blitzlicht hinter dem Motiv so schnell ab.

Direkter, indirekter und entfesselter Blitz

Direkter Blitz, von der Kamera aus geradeaus aufs Motiv gerichtet, ist klein und hart: flache Gesichter, glänzende Haut und ein dunkler Schatten an der Wand dahinter. Nützlich, aber selten schmeichelhaft.

Beim indirekten Blitzen zeigt der Reflektor an Decke oder Wand. Diese Fläche wird zu einer großen Lichtquelle, das Licht wird weich und kommt von oben oder von der Seite. Eine weiße Fläche funktioniert am besten; farbige Wände färben das Licht.

Ein entfesselter Blitz, per Funk- oder optischem Signal ausgelöst, lässt sich überall platzieren: seitlich für Plastizität, dahinter für ein Streiflicht an den Konturen. Das ist der größte Schritt zu studioähnlichen Ergebnissen.

Diffusoren und Lichtformer (Diffusorkappen, Softboxen, Schirme) vergrößern das Licht. Denk daran, dass die Weichheit von der Größe im Verhältnis zum Motiv abhängt: Eine große Softbox nah dran ist weich, dieselbe Box weit weg wird härter.

Aufhellblitz im Freien

In praller Sonne bekommen Gesichter tiefe Schatten unter Augen und Nase, und Motive im Gegenlicht werden dunkel. Ein wenig Blitz hellt diese Schatten auf.

Stell den Blitz etwa 1 bis 2 Blendenstufen unter die Umgebungsbelichtung, zum Beispiel −1 bis −1,7 Blitzbelichtungskorrektur bei TTL. Ziel ist es, Schatten aufzuhellen, nicht den Blitz offensichtlich zu machen.

Ein Aufhellblitz setzt außerdem ein kleines Spitzlicht in die Augen, das Porträts lebendiger wirken lässt.

Synchronzeit und Kurzzeitsynchronisation

Die meisten Kameras nutzen einen Schlitzverschluss mit zwei Vorhängen. Bei kurzen Zeiten beginnt der zweite Vorhang sich zu schließen, bevor der erste ganz offen ist, sodass nur ein wandernder Schlitz den Sensor belichtet.

Die Synchronzeit ist die kürzeste Zeit, bei der der ganze Sensor auf einmal frei liegt, typischerweise etwa 1/160–1/250 s (ungefähr). Wählst du mit normalem Blitz eine kürzere Zeit, entsteht ein dunkler Streifen im Bild.

Bei der Kurzzeitsynchronisation (HSS) pulsiert der Blitz während der gesamten Belichtung schnell, sodass er bei jeder Verschlusszeit funktioniert. Der Preis ist eine viel geringere effektive Leistung und Reichweite, der Blitz muss also nah heran.

Mit HSS kannst du in praller Sonne offene Blenden mit Blitz nutzen, zum Beispiel f/1.8 bei 1/2.000 s für einen unscharfen Hintergrund.

Synchronisation auf den ersten und zweiten Vorhang

Standardmäßig zündet der Blitz kurz nachdem sich der erste Vorhang geöffnet hat (Synchronisation auf den ersten Vorhang). Bei langer Verschlusszeit erscheint die Bewegungsunschärfe eines Motivs dann vor ihm, als würde es sich rückwärts bewegen.

Bei der Synchronisation auf den zweiten Vorhang zündet der Blitz kurz bevor sich der zweite Vorhang schließt. Die Unschärfe zieht hinter dem eingefrorenen Motiv her, was bei Autos, Tänzern und Lichtspuren natürlich wirkt.

Beides spielt nur eine Rolle, wenn die Verschlusszeit lang genug ist, um Umgebungslicht aufzuzeichnen; bei 1/200 s siehst du meist keinen Unterschied.

Blitz mit Umgebungslicht mischen, und Farbfolien

Stell dir jedes Foto als zwei Belichtungen in einer vor. Die Verschlusszeit steuert nur das Umgebungslicht, weil der Blitzstoß kürzer ist als jede normale Verschlusszeit. Blende und ISO wirken auf beides. Blitzleistung und Entfernung wirken nur auf den Blitz.

Ein einfacher Ablauf: Belichte zuerst den Hintergrund nach deinem Geschmack mit Verschlusszeit, Blende und ISO und ignoriere dabei das Motiv. Dann nimm den Blitz dazu und passe seine Leistung an, bis das Motiv stimmt. Für einen dunkleren Hintergrund wählst du eine kürzere Verschlusszeit (bis zur Synchronzeit).

Blitzlicht hat ungefähr Tageslichtfarbe, etwa 5.500 K, während Glühlampen in Innenräumen wärmer sind. Eine CTO-Folie (orange) auf dem Blitz gleicht ihn an Kunstlicht an, damit die Farben zusammenpassen; stell den Weißabgleich auf das Raumlicht ein. Farbfolien lassen sich auch kreativ einsetzen, etwa auf einem Hintergrund.

Quellen

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