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Langzeitbelichtung und Nachthimmel

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Langzeitbelichtung und Nachthimmel
Bild: Bruno Gilli/ESO, CC BY 4.0 · Wikimedia Commons

Kurz gesagt

  • Die Erde dreht sich, also bewegen sich die Sterne: kurze Belichtungen ergeben Punkte, lange ergeben Spuren.
  • Die 500er-Regel (500 ÷ Brennweite × Crop) ist grob; die NPF-Regel ist für hochauflösende Sensoren besser.
  • Fotografiere um Neumond, weit weg von Stadtlicht; die Bortle-Skala bewertet die Himmelsdunkelheit von 1 bis 9.
  • Weitwinklige, lichtstarke Objektive (f/2.8 oder heller), ISO 1600–6400 und ein stabiles Stativ sind der übliche Einstieg.

Punktförmige Sterne oder Sternspuren?

Weil sich die Erde dreht, scheinen die Sterne mit etwa 15° pro Stunde über den Himmel zu wandern. Bei einer kurzen Belichtung bleiben sie Punkte; bei einer langen zieht jeder Stern einen Bogen um den Himmelspol, auf der Nordhalbkugel nahe dem Polarstern.

Für punktförmige Sterne hältst du die Belichtung so kurz, dass die Bewegung nicht sichtbar wird, meist 5 bis 25 s je nach Objektiv und Sensor. Für Spuren willst du das Gegenteil: viele Minuten oder Stunden Gesamtbelichtung.

Lange Spuren entstehen meist aus vielen 20- bis 30-s-Aufnahmen, die per Software zusammengefügt werden, statt aus einer riesigen Belichtung. Das hält Rauschen und Wärme gering und lässt dich ein vorbeifliegendes Flugzeug aus einem einzelnen Bild entfernen.

Die 500er-Regel, und warum sie grob ist

Die klassische Abkürzung lautet: maximale Belichtungszeit in Sekunden ≈ 500 ÷ (Brennweite × Cropfaktor). Mit einem 20-mm-Objektiv an Vollformat ergibt das 25 s, an APS-C (1,5×) etwa 17 s.

Sie stammt aus der Filmzeit, als Abzüge klein waren und das Korn leichte Spuren verbarg. Auf heutigen hochauflösenden Sensoren in 100-%-Ansicht zeigen Aufnahmen nach der 500er-Regel oft kurze Striche. Viele Fotografen nehmen stattdessen 300 oder 400, was genauso ungefähr ist.

Außerdem ignoriert sie die Blende und die Richtung, in die du fotografierst: Sterne nahe dem Himmelsäquator wandern am schnellsten, Sterne nahe dem Pol kaum.

Die NPF-Regel

Die NPF-Regel bezieht Pixelgröße und Blende ein. Eine verbreitete vereinfachte Form lautet: Zeit ≈ (35 × Blendenzahl + 30 × Pixelabstand in µm) ÷ Brennweite.

Beispiel: 20 mm bei f/2.8 an einer Vollformatkamera mit 24 Megapixeln (Pixelabstand etwa 6 µm) ergibt (98 + 180) ÷ 20 ≈ 14 s, deutlich kürzer als die 25 s nach der 500er-Regel. An einem 45-Megapixel-Gehäuse mit etwa 4,4-µm-Pixeln sinkt der Wert auf etwa 11 s.

Auch das ist eine Schätzung, abgestimmt auf scharf wirkende Sterne, keine physikalische Grenze. Der Rechner auf dieser Seite zeigt beide Ergebnisse, damit du vergleichen und mit deiner eigenen Kamera testen kannst.

Wann und wo: Milchstraßen-Saison, Neumond, dunkler Himmel

Das helle Zentrum der Milchstraße liegt in Richtung Schütze. Auf der Nordhalbkugel ist es etwa von Februar oder März (vor der Morgendämmerung) bis Oktober (nach der Abenddämmerung) sichtbar, am einfachsten im Sommer; auf der Südhalbkugel steht das Zentrum höher, und die Saison ist ähnlich (ungefähr, abhängig vom Breitengrad).

Mondlicht überstrahlt schwache Sterne, plane also um den Neumond herum, ein paar Tage davor oder danach, oder geh raus, nachdem eine Mondsichel untergegangen ist.

Lichtverschmutzung ist der größte Feind. Die Bortle-Skala stuft den Himmel von 1 (ausgezeichneter dunkler Standort, die Milchstraße wirft schwache Schatten) bis 9 (Innenstadt, nur wenige helle Sterne) ein. Schon der Wechsel von Klasse 7 zu Klasse 4, oft eine Autostunde von der Stadt entfernt, macht einen gewaltigen Unterschied. Karten der Lichtverschmutzung helfen dir, dunklere Orte zu finden.

Einstellungen und Lichtmalerei

Ein guter Ausgangspunkt: Weitwinkel (14 bis 24 mm), offenste Blende um f/1.8 bis f/2.8, ISO 1600 bis 6400, Verschlusszeit nach der NPF-Regel, RAW und ein Weißabgleich um 3800 bis 4500 K. Stell manuell auf einen hellen Stern scharf, mit vergrößertem Live-View; der Autofokus funktioniert im Dunkeln selten.

Lichtmalerei bedeutet, während der Belichtung Licht hinzuzufügen, mit einer Taschenlampe, einem LED-Panel oder sogar einem Handydisplay. Ein kurzes, sanftes Überstreichen eines Baums oder Felsens kann Vordergrunddetails bringen, ohne separate Belichtung. Halte es schwach und warm; bei ISO 3200 reicht schon wenig Licht.

Sei an dunklen Standorten rücksichtsvoll: Andere Fotografen belichten vielleicht gerade, nutze also Rotlicht und warne die Leute, bevor du etwas Helles einschaltest.

Langzeit-Rauschminderung und Stacking

Die Langzeit-Rauschminderung (LENR) nimmt direkt nach deiner Aufnahme ein zweites, schwarzes Bild gleicher Länge auf und zieht dessen Hotpixel ab. Das funktioniert, verdoppelt aber die Wartezeit: Eine 30-s-Belichtung dauert eine Minute. Schalte sie für Sternspur-Serien aus, weil sie Lücken zwischen den Bildern erzeugt.

Sensoren erwärmen sich außerdem bei langen Sessions, und warme Sensoren rauschen stärker. In einer Sommernacht mit 25 °C siehst du mehr Hotpixel als bei 0 °C.

Stacking ist die stärkere Option: Nimm 10 bis 30 Bilder desselben Himmels auf und lass Software sie ausrichten und mitteln. Zufälliges Rauschen sinkt, die Sterne bleiben, und das Ergebnis ist sauberer als jede Einzelaufnahme. Spezielle Programme und Nachführmontierungen sind der nächste Schritt, wenn du Feuer fängst.

Probier es aus: Sternspur-Rechner

Finde die längste Belichtung, bei der Sterne noch scharfe Punkte bleiben.

500er-Regel—
NPF-Regel—

Geschätzte Werte für punktförmige Sterne. Die NPF-Regel ist strenger als die 500er-Regel. Die Ergebnisse hängen von der Deklination der Sterne ab, also vergrößere das Foto zur Kontrolle.

Quellen

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