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Porträtfotografie

7 Min. Lesezeit
Porträtfotografie
Bild: dusdin on flickr, cropped by Gridge, CC BY 2.0 · Wikimedia Commons

Kurz gesagt

  • Ein Porträt zeigt einen Menschen, nicht nur ein Gesicht: Ausdruck, Gestik und Umgebung erzählen die Geschichte mit.
  • Kurze Teleobjektive, etwa 85–135 mm an Vollformat, schmeicheln Gesichtern und lösen die Person vom Hintergrund.
  • Fokussiere auf das nähere Auge; eine offene Blende wie f/2.8 macht den Hintergrund unscharf (ungefährer Startwert).
  • Weiches, gerichtetes Licht vom Fenster oder aus offenem Schatten steht den meisten Gesichtern; frag immer, bevor du fotografierst und veröffentlichst.

Was ein Porträt ausmacht

Ein Porträt ist ein Foto, dessen Hauptzweck es ist, einen bestimmten Menschen zu zeigen: wie er aussieht, aber auch etwas davon, wer er ist. Ein Gesicht allein reicht nicht; Ausdruck, Haltung, Hände, Kleidung und Umgebung tragen alle Bedeutung.

Porträts reichen vom engen Kopfporträt bis zum Umgebungsporträt, bei dem Wohnung, Arbeitsplatz oder Landschaft der Person Teil der Geschichte sind. Spontane Porträts fangen Menschen ungestellt ein, während im Studio jedes Detail kontrolliert wird.

Egal welcher Stil – der Prüfstein ist derselbe: Hat der Betrachter das Gefühl, jemandem begegnet zu sein?

Eine kurze Geschichte

Porträts gehörten zu den ersten kommerziellen Anwendungen der Fotografie. In den 1840er-Jahren eröffneten in vielen Städten Daguerreotypie-Ateliers, und die Porträtierten mussten bei langen Belichtungen stillhalten, oft mit versteckten Kopfstützen.

In den 1860er-Jahren brach Julia Margaret Cameron mit den steifen Atelierkonventionen: Mit engem Bildausschnitt und weichem Fokus zeigte sie Charakter statt Stand. Spätere Fotografen wie August Sander erfassten ganze Gesellschaften in Porträts, während Yousuf Karsh und Richard Avedon im 20. Jahrhundert prägten, wie berühmte Gesichter gesehen wurden.

Heute hat die Handykamera das Porträt – und das Selbstporträt – zum häufigsten Foto der Welt gemacht.

Ausrüstung und Brennweiten

Mit jeder Kamera gelingt ein gutes Porträt, aber die Brennweite verändert, wie ein Gesicht wirkt. Aus der Nähe mit einem Weitwinkel wirken Nase und Stirn größer, weil die vorderen Gesichtspartien der Kamera viel näher sind als die Ohren.

Mit einem kurzen Tele, etwa 85–135 mm an Vollformat (rund 50–85 mm an APS-C), stehst du für ein Brustbild etwa 1,5–3 m entfernt, was natürliche Proportionen ergibt. Ein 35- oder 50-mm-Objektiv eignet sich für Umgebungsporträts, die den Ort mit einbeziehen.

Lichtstarke Festbrennweiten (f/1.4–f/2) helfen, unruhige Hintergründe unscharf zu machen. Ein einfacher Reflektor oder ein Stück weißer Karton ist nach dem Objektiv oft das nützlichste Zubehör.

Einstellungen für den Anfang

Modus: Die Zeitautomatik (Blendenvorwahl) ist der einfachste Einstieg. Probier f/2.8 für eine einzelne Person und f/5.6–f/8 für eine Gruppe, damit jedes Gesicht in der Schärfentiefe liegt (ungefähr).

Verschlusszeit: mindestens 1/125 s bei einer ruhig sitzenden Person, 1/250 s oder kürzer bei Kindern oder Bewegung. ISO: so niedrig, wie das Licht es erlaubt – lieber erhöhen als Verwacklung in Kauf nehmen.

Fokus: Einzelfeld-Autofokus oder Augenerkennung auf das nähere Auge. Bei sehr offener Blende kann die Schärfentiefe unter 2–3 cm liegen, schon eine kleine Bewegung lässt die Augen weich werden.

Nutze Spot- oder mittenbetonte Messung oder eine Belichtungskorrektur, wenn ein heller Hintergrund das Gesicht sonst zu dunkel machen würde.

Licht und Bildgestaltung

Große, weiche Lichtquellen schmeicheln der Haut: ein Fenster an einem bewölkten Tag, offener Schatten neben einem Gebäude oder die tiefe Sonne der goldenen Stunde. Harte Mittagssonne von oben wirft dunkle Schatten unter die Augen.

Dreh die Person so, dass das Licht etwa im 45°-Winkel von der Seite kommt; die Schattenseite gibt dem Gesicht Form. Ein Reflektor auf der Schattenseite mildert den Kontrast.

Setz die Augen ungefähr auf die obere Drittellinie und lass Raum in Blickrichtung. Schneide zwischen den Gelenken an, etwa Mitte Oberschenkel oder Mitte Arm, statt genau an Knien oder Handgelenken.

Halte den Hintergrund schlicht und sprich mit deinem Gegenüber: Entspannte Menschen ergeben bessere Bilder als perfekte Einstellungen.

Typische Fehler

Der Fokus sitzt nicht auf den Augen, besonders bei f/1.8 oder offener.

Mit einem Weitwinkel zu nah fotografieren, was das Gesicht unvorteilhaft verzerrt.

Ein Mast, Baum oder heller Gegenstand scheint aus dem Kopf zu wachsen; ein Schritt zur Seite behebt das.

Schweigend Anweisungen geben. Menschen verkrampfen, wenn sie nicht wissen, was du willst – gib klare, freundliche Hinweise und zeig die Ergebnisse.

Einwilligung, Ethik und Recht

Frag, bevor du jemanden aus der Nähe fotografierst, und akzeptiere ein Nein. Sei besonders achtsam bei Kindern, schutzbedürftigen Menschen und in kulturellen oder religiösen Umgebungen, in denen Fotografieren unerwünscht sein kann.

Die Gesetze unterscheiden sich von Land zu Land. Vielerorts darfst du Menschen in der Öffentlichkeit fotografieren, aber für Werbung oder kommerzielle Nutzung braucht es meist eine unterschriebene Modelfreigabe. Manche Länder geben Menschen stärkere Rechte am eigenen Bild – prüfe also die örtlichen Regeln, bevor du veröffentlichst.

Teile Bilder respektvoll: Vermeide Bildunterschriften oder Bearbeitungen, die die Person verspotten oder falsch darstellen.

Übung: eine Person, drei Lichtsituationen

Bitte eine Freundin oder einen Freund, dir 20 Minuten Modell zu sitzen. Mach dasselbe Brustbild an drei Orten: mit Blick zum Fenster, neben dem Fenster mit Seitenlicht und draußen im offenen Schatten.

Behalte Objektiv und Einstellungen bei, etwa f/2.8 und 1/250 s, und fokussiere jedes Mal auf das nähere Auge.

Vergleiche die drei Ergebnisse auf einem großen Bildschirm. Notiere, welches Licht die Form des Gesichts am besten zeigt und welches deinem Modell am besten gefällt – die Antworten sind oft verschieden.

Quellen

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