Mond und Sterne fotografieren: Einstellungen, die funktionieren

Mond und Sterne wirken wie ein einziges Nachtmotiv, brauchen aber gegensätzliche Einstellungen. Der Mond ist ein von der Sonne beschienener Felsbrocken und erstaunlich hell, also braucht er eine kurze Belichtung. Sterne sind schwache Punkte, die die größte Blendenöffnung, hohe ISO und viele Sekunden Belichtung verlangen. Dieser Ratgeber behandelt zuerst den Mond, dann die Sterne und die Milchstraße, dann eine Handy-Variante. Jeder Wert hier ist ein Ausgangspunkt, den du nach den ersten Bildern anpasst.
Ausgangseinstellungen
| Einstellung | Startwert | Abschnitt |
|---|---|---|
| Belichtung Mond | f/11, Verschlusszeit 1/ISO (z. B. ISO 100, 1/100 s) | 1 |
| Objektiv Mond | Das längste, das du hast, 200 mm oder mehr | 2 |
| Auflage | Stativ und 2-Sekunden-Timer | 2 |
| Sterne: Blende | Ganz offen, f/1.4–f/2.8 | 5 |
| Sterne: ISO | 1600–6400 | 5 |
| Sterne: Verschluss | 500er-Regel oder NPF, etwa 10–25 s | 6 |
| Fokus | Manuell, vergrößertes Live-View auf unendlich | 7 |
| Weißabgleich | Etwa 3800–4500 K | 5 |
1Belichte den Mond nach der Looney-11-Regel
Der Mond wird von direktem Sonnenlicht beleuchtet und ist daher etwa so hell wie eine sonnige Landschaft. Die Looney-11-Regel besagt: Bei f/11 ist die Verschlusszeit 1 geteilt durch die ISO. Bei ISO 100 heißt das 1/100 s, bei ISO 400 1/400 s. Wie die Sonnig-16-Regel ist es eine ungefähre Faustregel.
Die Belichtungsautomatik versagt, weil der Belichtungsmesser vor allem schwarzen Himmel sieht und das ganze Bild aufhellt. Der Mond wird dann zu einer weißen Scheibe ohne Details.
- Nutze für das erste Bild den manuellen Modus (M), f/11 und Verschlusszeit = 1/ISO.
- Prüf Histogramm und Überbelichtungswarnung; blinkt der Mond, nimm eine kürzere Zeit.
- Eine schmale Sichel oder ein Mond hinter Dunst braucht eventuell ein bis zwei Blendenstufen mehr Licht.
- Musst du die Automatik nutzen, stell Spotmessung auf den Mond und etwa −2 Stufen Belichtungskorrektur ein.
2Nimm dein längstes Objektiv und ein Stativ
Der Mond ist im Bild klein: Mit 50 mm ist er ein winziger Punkt. Als grobe Orientierung ist sein Bild auf dem Sensor etwa 1/110 der Brennweite groß, selbst 300 mm ergeben also eine Scheibe unter 3 mm Durchmesser. Länger ist besser, und Beschneiden hilft.
Lange Brennweiten vergrößern jede Erschütterung. Stativ und Timer machen einen großen Unterschied, selbst bei kurzen Verschlusszeiten.

- Nutze das längste Objektiv oder die längste Zoomstellung, die du hast; 200–600 mm sind ideal.
- Setz die Kamera aufs Stativ, nutze den 2-Sekunden-Timer oder einen Fernauslöser und schalte den Stabilisator auf dem Stativ aus.
- Stell manuell im vergrößerten Live-View auf den Mondrand oder seine Krater scharf.
- Mach viele Bilder: Luftunruhe lässt manche schärfer werden als andere.
3Wähle Mondphase und Zeitpunkt
Der Vollmond wirkt flach, weil die Sonne ihn frontal beleuchtet und keine Schatten entstehen. Nahe dem Terminator, der Grenze zwischen beleuchtetem und dunklem Teil, werfen Krater lange Schatten und wirken dreidimensional. Sichel, Halbmond und zunehmender oder abnehmender Dreiviertelmond zeigen das am besten.
Ein Mond tief am Horizont wirkt neben Gebäuden und Hügeln groß, doch die zusätzliche Luftschicht macht ihn weicher, dunkler und orangefarbener.
- Sieh in einem Mondkalender nach und plane für Kraterdetails die Tage um das erste oder letzte Viertel ein.
- Nimm den Terminator ins Bild; dort ist die meiste Struktur.
- Akzeptiere bei einem großen, tiefen Mond etwas weichere Details und belichte etwas reichlicher.
- Fotografiere für die schärfsten Nahaufnahmen, wenn der Mond hoch steht.
4Setz den Mond bei Mondaufgang in eine Landschaft
Allein ist der Mond eine graue Scheibe. Mit einer Landschaft erzählt er eine Geschichte. Die beste Zeit ist der Mondaufgang um Vollmond, kurz vor oder nach Sonnenuntergang, wenn Himmel und Land noch hell genug sind, um zusammen mit dem Mond belichtet zu werden.
Später in der Nacht wird der Unterschied zwischen hellem Mond und dunklem Land für eine einzige Belichtung zu groß.
- Nutze eine Planungs-App oder eine Mondaufgangstabelle, um Zeit und Richtung des Mondaufgangs von deinem Standort aus zu ermitteln.
- Stell dich mit langer Brennweite weit vom Motiv entfernt hin, damit der Mond daneben groß wirkt.
- Fotografiere in den 10–20 Minuten nach Mondaufgang, solange noch Licht am Himmel ist.
- Mach später zwei Belichtungen (eine für den Mond, eine für das Land) und kombiniere sie, oder lass den Mond etwas hell.
5Bereite dich auf Sterne vor: dunkler Himmel, lichtstarkes Weitwinkel, hohe ISO
Sterne sind schwach, also muss alles Licht sammeln. Lichtverschmutzung aus Städten lässt sie verblassen, Mondlicht ebenso – ein dunkler Ort und eine mondlose Nacht helfen am meisten.
Ein Weitwinkel zeigt mehr Himmel und erlaubt längere Belichtungen, bevor die Sterne Striche ziehen. Eine große Blendenöffnung lässt mehr Licht herein. ISO 1600–6400 ist bei einer aktuellen Kamera ein typischer Bereich.
- Such mit einer Lichtverschmutzungskarte ein Gebiet mit dunklem Himmel, idealerweise 50 km oder mehr von einer Großstadt entfernt.
- Geh um Neumond los oder wenn der Mond untergegangen ist.
- Nutze ein 14–24-mm-Objektiv bei größter Blendenöffnung, etwa f/1.4–f/2.8.
- Beginne bei ISO 3200 und einem Weißabgleich um 4000 K und pass dann an.
6Halte Sterne scharf: 500er- und NPF-Regel
Die Erde dreht sich, also wandern die Sterne durchs Bild. Bei zu langer Belichtung werden aus Punkten kurze Striche. Die 500er-Regel ist eine einfache Näherung: 500 geteilt durch die Brennweite (Kleinbildäquivalent) ergibt die längste Verschlusszeit in Sekunden. Mit einem 20-mm-Objektiv sind das etwa 25 s.
Bei modernen hochauflösenden Sensoren erlaubt die 500er-Regel zu viel. Die NPF-Regel berücksichtigt zusätzlich Blende und Pixelgröße und liefert eine kürzere, genauere Zeit. Den NPF-Rechner findest du auf unserer Seite zu Langzeitbelichtungen und Nachthimmel.
- Multipliziere bei einem Crop-Sensor zuerst die Brennweite mit dem Crop-Faktor (1,5 oder 1,6 bei APS-C).
- Für punktscharfe Sterne nimm die NPF-Zeit oder etwa die Hälfte des Werts der 500er-Regel.
- Vergrößere das erste Bild und verkürze die Belichtung, wenn Sterne wie Striche aussehen.
- Nutze Stativ und Timer oder Fernauslöser; schalte den Stabilisator aus.
7Stell auf unendlich scharf
Der Autofokus sieht keine Sterne, und die Unendlich-Markierung vieler Objektive ist nicht exakt: Objektive fokussieren über unendlich hinaus, um Temperaturschwankungen auszugleichen. Zuverlässig ist nur das Scharfstellen nach Augenmaß im Live-View.
- Schalte auf manuellen Fokus und richte die Kamera auf den hellsten Stern oder ein fernes Licht.
- Vergrößere das Live-View maximal und dreh den Ring, bis der Stern der kleinste, schärfste Punkt ist.
- Kleb den Fokusring mit Klebeband fest, damit er sich nicht verstellt.
- Prüf die Schärfe nach einer Weile erneut, wenn die Temperatur sinkt.
8Fotografiere die Milchstraße
Der helle Kern der Milchstraße ist auf der Nordhalbkugel vom Frühling bis zum Herbst sichtbar, am besten im Sommer am südöstlichen bis südlichen Himmel. Er braucht einen wirklich dunklen Himmel; in der Stadt verschwindet er.
Ein Vordergrund wie ein Baum, ein Felsen oder ein beleuchtetes Zelt macht das Bild greifbar und vermittelt Größenverhältnisse.

- Prüf mit einer Planungs-App, wann der Kern aufgeht, und geh in einer mondlosen Nacht los.
- Nutze die Sterneinstellungen: größte Blendenöffnung, ISO 3200–6400, NPF-Zeit.
- Setz einen schlichten Vordergrund tief ins Bild und halte den Horizont gerade.
- Fotografiere in RAW, damit du später Rauschen reduzieren und Farben anpassen kannst.
9Mond und Sterne mit dem Handy fotografieren
In der Automatik kommen Handys mit dem Mond schlecht zurecht, weil sie den schwarzen Himmel aufhellen. Bei Sternen schlagen sie sich besser, dank Nachtmodi, die viele Bilder übereinanderlegen.
- Mond: Zoom mit dem Teleobjektiv (nicht weit in den Digitalzoom), tippe auf den Mond und zieh die Belichtung herunter, bis Krater erscheinen.
- Sterne: Stell das Handy auf ein Stativ oder leg es ruhig ab; der Nachtmodus erlaubt dann 10–30 s.
- Probier im Pro-Modus ISO 1600–3200, die längste erlaubte Verschlusszeit und manuellen Fokus auf unendlich.
- Schalte den Blitz aus und nutze den Selbstauslöser.
Bevor du losgehst
- Stativ und Fernauslöser oder 2-Sekunden-Timer
- Längstes Objektiv für den Mond
- Lichtstarkes Weitwinkel für die Sterne
- Mondphase und Mondaufgangszeiten geprüft
- Ort mit dunklem Himmel und Wetter geprüft
- Geladene Ersatzakkus (Kälte leert sie)
- Warme Kleidung und eine Rotlicht-Taschenlampe
- Manueller Fokus auf unendlich, festgeklebt