Porträtfotografie: Porträtmodus am Handy und Kameraeinstellungen

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Porträtfotografie: Porträtmodus am Handy und Kameraeinstellungen
Bild: Chokity, CC BY 3.0 · Wikimedia Commons

Ein gutes Porträt hat immer drei Dinge gemeinsam, egal womit es entstanden ist: eine vorteilhafte Perspektive, weiches Licht im Gesicht und ein scharfes Auge. Ein unscharfer Hintergrund hilft, ist aber die letzte Zutat, nicht die erste. Handys erzeugen diese Unschärfe per Software, Kameras mit ihrer Optik, und beide funktionieren am besten, wenn du die Szene gut vorbereitest. Dieser Ratgeber erklärt, wie der Porträtmodus arbeitet und wo er scheitert, geht dann Abstand, Hintergrund, Licht, Fokus, Posing und Kameraeinstellungen durch und endet mit dem nachträglichen Anpassen der Unschärfe.

Ausgangseinstellungen

EinstellungStartwertAbschnitt
Handy-Objektiv2x oder 3x, Porträtmodus an1
Brennweite (Kamera)Etwa 85 mm Kleinbildäquivalent2
Abstand zur PersonEtwa 1,5–2,5 m für Kopf und Schultern2
Person zum HintergrundSo weit wie möglich, 3 m oder mehr3
Blendef/1.8–f/47
FokusEinzelfeld oder Augen-AF auf das nähere Auge5
LichtFensterlicht oder offener Schatten4

1Versteh, wie der Porträtmodus Tiefe vortäuscht

Sensor und Objektiv eines Handys sind klein, deshalb bleibt von Natur aus fast alles scharf. Der Porträtmodus umgeht das per Software: Er schätzt mithilfe von zwei Objektiven, Dual-Pixel-Daten, einem Tiefensensor oder maschinellem Lernen, wie weit jeder Teil der Szene entfernt ist, und erstellt daraus eine Tiefenkarte. Dann hält er das Motiv scharf und zeichnet den Rest entsprechend dieser Karte weich.

Die Karte ist eine Schätzung, und am schwächsten ist sie an feinen oder durchsichtigen Kanten. Lose Haare, Brillengestelle, Ohrringe, Finger, Tassen und Zäune werden oft versehentlich weichgezeichnet oder behalten einen scharfen Saum aus Hintergrund.

So geht's
  • Prüf nach jeder Aufnahme vergrößert die Kanten: Haare, Ohren, Brille und Hände sind die typischen Problemzonen.
  • Binde abstehende Haare zurück oder wähle einen ruhigen, weit entfernten Hintergrund, damit Fehler weniger auffallen.
  • Bleib im Abstandsbereich, den das Handy vorgibt; die meisten zeigen einen Hinweis wie „Weiter weg bewegen“, wenn keine Tiefenkarte entstehen kann.
  • Bei Motiven mit sehr komplexen Kanten, etwa einem Schleier oder einem Fahrrad, wechsle zur normalen Kamera mit dem 2x- oder 3x-Objektiv und nimm weniger Unschärfe in Kauf.

2Wähle eine längere Brennweite und den richtigen Abstand

Die Perspektive hängt davon ab, wie weit du vom Gesicht entfernt stehst. Ganz nah mit einem Weitwinkel wirkt die Nase größer und die Ohren kleiner. Gehst du zurück und zoomst heran, werden die Gesichtszüge natürlicher und vorteilhafter wiedergegeben.

An der Kamera ist eine Brennweite um 85 mm Kleinbildäquivalent der klassische Ausgangspunkt für Kopf-und-Schulter-Aufnahmen (etwa 50–55 mm an einer APS-C-Kamera). Am Handy nimmst du das 2x- oder 3x-Objektiv statt des 1x-Hauptobjektivs. Das sind Faustregeln; alles von etwa 50 bis 135 mm Äquivalent funktioniert.

So geht's
  • Handy: Wähle im Porträtmodus vor dem Ausrichten die Option 2x oder 3x, statt am 1x-Objektiv mit zwei Fingern zu zoomen.
  • Kamera: Nimm ein 85-mm-Objektiv an Vollformat, ein 50–56-mm-Objektiv an APS-C oder zoom ein Standardzoom ans lange Ende.
  • Stell dich für Kopf und Schultern etwa 1,5–2,5 m entfernt hin, für ein Halbporträt etwa 3–4,5 m (ungefähr).
  • Halte die Kamera ungefähr auf Augenhöhe; von unten wirken Kinn und Nasenlöcher größer.

3Schaff Abstand hinter der Person

Die Hintergrundunschärfe hängt davon ab, wie weit der Hintergrund vom Motiv entfernt ist, nicht nur von der Blende oder dem Unschärfe-Regler des Handys. Steht jemand direkt vor einer Wand, ist die Wand mit jeder Kamera scharf. Lass die Person ein paar Schritte nach vorn gehen, und dieselben Einstellungen ergeben einen weichen, ruhigen Hintergrund.

Das gilt auch fürs Handy: Ein weit entfernter Hintergrund lässt sich für die Tiefenkarte leichter trennen, und Kantenfehler werden seltener.

So geht's
  • Hol die Person von Wänden, Hecken und Zäunen weg; ideal sind 3 m oder mehr freier Raum dahinter.
  • Wähle einen Hintergrund mit ruhigen Farben, ohne helle Flecken und ohne Linien, die aus dem Kopf zu wachsen scheinen.
  • Ändere den Blickwinkel, nicht nur den Abstand: Geh zur Seite oder tiefer, um eine entfernte Baumreihe oder Straße hinter die Person zu bringen.
  • Prüf den Hintergrund an den Bildrändern genauso sorgfältig wie das Gesicht.

4Such weiches, schmeichelndes Licht

Licht formt ein Gesicht stärker als jedes Objektiv. Harte Mittagssonne von oben erzeugt dunkle Augenhöhlen, helle Stirnen und zusammengekniffene Augen. Weiches Licht aus einer großen Quelle legt sich um das Gesicht, glättet die Haut und zeigt die Augen klar.

Zwei einfache Quellen für weiches Licht sind ein großes Fenster ohne direkte Sonne und offener Schatten, also der Schatten eines Gebäudes oder Baums an einem hellen Tag, mit dem offenen Himmel vor der Person.

So geht's
  • Drinnen: Setz die Person etwa einen Meter von einem großen Fenster entfernt, leicht zu ihm gedreht; die fensterabgewandte Seite darf für mehr Plastizität etwas dunkler bleiben.
  • Draußen zur Mittagszeit: Geh in den offenen Schatten am Rand eines Gebäudes oder unter einen Baum, mit Blick der Person zur hellen, offenen Fläche.
  • Vermeide fleckigen Schatten, bei dem Sonnenflecken aufs Gesicht fallen.
  • Nimm einen Reflektor, einen weißen Karton, eine Schaumstoffplatte oder sogar eine helle Wand, um Licht in die Schattenseite zurückzuwerfen.
  • Noch besser: Fotografiere in der Stunde nach Sonnenaufgang oder vor Sonnenuntergang, wenn die Sonne tief steht und weicher ist.

5Stell auf das nähere Auge scharf

Betrachter schauen zuerst auf die Augen. Sind die Augen weich, während Ohr oder Nasenspitze scharf sind, wirkt das ganze Porträt unscharf. Bei offener Blende ist der scharfe Bereich nur wenige Zentimeter tief, also muss der Fokus genau auf dem Auge sitzen.

Eine kleine Spiegelung der Lichtquelle im Auge, das sogenannte Spitzlicht, lässt das Gesicht lebendig wirken. Fensterlicht und offener Schatten erzeugen meist ganz von selbst eines.

So geht's
  • Kamera: Schalte den Augen-Autofokus ein oder setze ein einzelnes kleines AF-Feld auf das nähere Auge.
  • Nimm kontinuierlichen AF (AF-C), wenn sich die Person bewegt, und Einzel-AF (AF-S), wenn sie stillhält und du den Ausschnitt nicht änderst.
  • Handy: Tipp vor der Aufnahme auf dem Display auf das nähere Auge.
  • Vergrößere das erste Bild und prüf, ob die Wimpern scharf sind.
  • Ist kein Spitzlicht zu sehen, dreh das Gesicht leicht zum Fenster oder zum offenen Himmel.

6Posing mit kleinen, einfachen Änderungen

Die meisten Menschen fühlen sich vor der Kamera unwohl, und steife Posen verraten das. Aufwendige Posen brauchst du nicht; ein paar kleine Korrekturen lassen fast jeden entspannter wirken. Mit der Person zu reden und klare, einfache Anweisungen zu geben hilft mehr als jede Einstellung.

So geht's
  • Dreh den Körper etwa 30–45 Grad von der Kamera weg und das Gesicht dann wieder zu ihr hin.
  • Bitte die Person, das Gewicht auf den hinteren Fuß zu verlagern und die Schultern sinken zu lassen.
  • Bitte sie, die Stirn leicht nach vorn und unten zur Kamera zu neigen; das betont die Kinnlinie.
  • Gib den Händen eine Aufgabe: eine Tasse halten, auf ein Geländer legen oder eine in die Tasche stecken.
  • Fotografiere in Serien, während ihr redet, und erwisch den natürlichen Ausdruck zwischen den Posen.

7Stell die Kamera ein: Blende, Verschlusszeit und ISO

An der Kamera macht eine offene Blende den Hintergrund unscharf und lässt viel Licht herein. f/1.8 ergibt die stärkste Unschärfe, doch der scharfe Bereich wird sehr dünn, und schnell ist ein Auge scharf und das andere weich. f/2.8–f/4 hält das ganze Gesicht scharf und trennt den Hintergrund trotzdem ab.

Die Zeitautomatik (A oder Av) ist der einfachste Modus: Du wählst die Blende, die Kamera die Verschlusszeit. Halte die Verschlusszeit kurz genug, um kleine Bewegungen einzufrieren.

So geht's
  • Beginne bei Einzelporträts mit f/2.8; öffne auf f/1.8 für mehr Unschärfe, schließ auf f/4–f/5.6 für zwei oder mehr Personen in unterschiedlicher Entfernung.
  • Halte bei Porträts aus der Hand etwa 1/200 s oder kürzer (ungefähr).
  • Nutze Auto-ISO mit einem Höchstwert um 3200–6400, damit die Kamera auch bei wenig Licht kurze Verschlusszeiten halten kann.
  • Fotografiere in RAW, wenn du Hauttöne oder Belichtung später bearbeiten willst.

8Pass die Unschärfe nachträglich an

Die meisten Handys speichern die Tiefenkarte mit dem Porträtfoto, sodass du die Stärke der Unschärfe und manchmal auch den Fokuspunkt nach der Aufnahme ändern kannst. Starke Unschärfe beeindruckt zuerst, macht Kantenfehler aber deutlicher; eine sanfte Einstellung wirkt meist eher wie ein echtes Objektiv.

Kamerafotos haben keine Tiefenkarte. Ihre Unschärfe ist durch die Optik festgelegt, auch wenn manche Bildbearbeitungsprogramme sie inzwischen mit KI-Werkzeugen verstärken oder verringern können.

So geht's
  • Öffne das Foto in der Galerie des Handys, wähle Bearbeiten und such nach einem Blenden- (f) oder Tiefenregler.
  • Probier am Regler einen Wert um f/2.8–f/4; sehr niedrige Werte wie f/1.4 zeigen oft Säume um die Haare.
  • Verschieb den Fokuspunkt, wenn das Handy es erlaubt, zum Beispiel vom Ohr aufs Auge.
  • Sehen die Kanten immer noch falsch aus, entferne den Porträteffekt ganz; das Originalbild bleibt erhalten.
  • Bei Kameradateien setze KI-Unschärfewerkzeuge nur sparsam ein und prüf die Kanten in der 100-%-Ansicht.

Vor der Aufnahme

  • Handy auf 2x oder 3x im Porträtmodus oder an der Kamera etwa 85 mm Äquivalent
  • Etwa 1,5–2,5 m Abstand zur Person für Kopf und Schultern
  • Person weit genug vom Hintergrund entfernt
  • Weiches Licht: Fenster, offener Schatten oder tiefe Sonne
  • Reflektor oder weißer Karton für die Schattenseite
  • Fokusfeld oder Augen-AF auf dem näheren Auge
  • Anfangs f/2.8, Verschlusszeit etwa 1/200 s oder kürzer
  • Kanten an Haaren und Brille prüfen, dann Unschärfe sanft anpassen

Quellen

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