Fokus und Schärfentiefe

Kurz gesagt
- Der Fokus liegt auf genau einer Entfernung; die Schärfentiefe ist der Bereich darum herum, der noch scharf wirkt.
- Offenere Blende, näheres Motiv und längere Brennweite machen diesen Bereich jeweils flacher.
- Grob ein Drittel des scharfen Bereichs liegt vor dem Fokuspunkt, zwei Drittel dahinter (ungefähr).
- Nimm Einzelautofokus für ruhende Motive und kontinuierlichen Autofokus für bewegte.
Fokus ist eine Ebene, Schärfentiefe ein Bereich
Beim Fokussieren stellt das Objektiv genau eine Entfernung perfekt scharf. Streng genommen ist nur diese Ebene im Fokus.
Was etwas näher oder weiter weg liegt, ist leicht unscharf. Ist die Unschärfe aber zu gering, als dass dein Auge sie bei normaler Betrachtungsgröße bemerkt, wirkt es trotzdem scharf. Dieser akzeptabel scharfe Bereich ist die Schärfentiefe.
Die Frage lautet also nie nur „Ist es scharf?“, sondern auch „Wie viel davor und dahinter ist scharf?“
Was die Schärfentiefe größer oder kleiner macht
Blende: der größte Hebel. f/1.8 ergibt eine dünne Scheibe, f/11 einen tiefen Bereich.
Entfernung: Je näher du bist, desto flacher wird sie. Eine Blume in 30 cm Abstand hat bei f/4 vielleicht nicht einmal 1 cm Schärfe, während ein Gebäude in 30 m Entfernung bei fast jeder Einstellung scharf ist.
Brennweite: Bei gleicher Entfernung ergibt ein 200-mm-Objektiv eine viel geringere Schärfentiefe als ein 24-mm-Objektiv.
Sensorgröße: Bei gleichem Bildausschnitt und gleicher Blendenzahl ergibt ein größerer Sensor eine geringere Schärfentiefe. Deshalb ist beim Handy fast alles scharf, und Hintergrundunschärfe muss per Software simuliert werden.
Das Bild auf dieser Seite zeigt dieselbe Szene bei mehreren Blenden nebeneinander: Achte darauf, wie der Hintergrund mit steigender Blendenzahl von weich zu scharf wird.
Die Drittelregel und die hyperfokale Distanz
Bei üblichen Entfernungen liegt etwa ein Drittel des scharfen Bereichs vor dem Fokuspunkt und zwei Drittel dahinter. Das ist nur eine Faustregel: Aus der Nähe ist es eher halb und halb, bei großen Entfernungen reicht der Bereich dahinter viel weiter. Etwa ein Drittel in die Szene hinein zu fokussieren ist ein guter Ausgangspunkt.
Die hyperfokale Distanz ist die Fokusentfernung, bei der alles von etwa der halben Distanz bis zum Horizont scharf wirkt. Beispiel: Mit einem 24-mm-Objektiv an einer Vollformatkamera bei f/8 sind es rund 2,5 m. Fokussierst du dorthin, wirkt alles von etwa 1,2 m bis unendlich scharf (ungefähr; hängt davon ab, wie streng dein Schärfemaßstab ist).
Mit dem Rechner unten bekommst du Nah- und Fernpunkt sowie die hyperfokale Distanz für dein eigenes Objektiv und deine Einstellungen.
Bokeh: die Qualität der Unschärfe
Bokeh beschreibt nicht, wie stark der Hintergrund verschwimmt, sondern wie diese Unschärfe aussieht. Manche Objektive machen aus unscharfen Lichtern weiche runde Scheiben, andere unruhige Formen mit hellem Rand oder Katzenaugen-Form.
So bekommst du mehr davon: offene Blende, nah ans Motiv und viel Abstand zwischen Motiv und Hintergrund. Ein Hintergrund 10 m hinter einem Porträt verschwimmt viel stärker als einer 1 m dahinter.
Autofokus-Modi und Fokuspunkte
Einzelautofokus (oft AF-S oder One Shot) stellt scharf, wenn du den Auslöser halb drückst, und hält diese Schärfe. Ideal für ruhende Motive wie Landschaften, Produkte und gestellte Porträts.
Kontinuierlicher Autofokus (AF-C oder AI Servo) führt die Schärfe nach, solange du den Auslöser hältst, und folgt einem Motiv, das sich auf dich zu oder von dir weg bewegt. Ideal für Sport, Haustiere, Kinder und Vögel.
Die Fokuspunkte bestimmen, wohin die Kamera scharf stellt. Lässt du die Kamera wählen, nimmt sie oft das nächste oder hellste Objekt. Wählst du selbst einen einzelnen Punkt oder nutzt die Augenerkennung, sitzt der Fokus genau da, wo du ihn willst. Bei Porträts sollte das nähere Auge scharf sein.
Praktische Einstellungen je Genre
Porträts: f/1.8 bis f/2.8, Einzel-AF oder Augenerkennung, Fokus aufs nähere Auge. Mit sehr offener Blende aus der Nähe sind womöglich nicht beide Augen scharf; f/2.8 bis f/4 hilft.
Gruppen: f/5.6 bis f/8, damit Leute in verschiedenen Reihen scharf bleiben; fokussiere auf jemanden im vorderen Drittel der Gruppe.
Landschaften: f/8 bis f/11, Fokus etwa ein Drittel in die Szene oder auf die hyperfokale Distanz.
Straße: f/8 mit Weitwinkel, Fokus fest auf etwa 3 m, damit das meiste vor dir scharf ist, ohne auf den Autofokus zu warten.
Makro: Die Schärfentiefe ist selbst bei f/11 winzig; stell scharf, indem du dich leicht vor- und zurückbewegst, statt am Fokusring zu drehen.
Sport und Tiere: f/2.8 bis f/5.6, kontinuierlicher AF und eine Gruppe von Fokuspunkten, um dem Motiv zu folgen.
Probier es aus: Schärfentiefe-Rechner
Sieh, wie viel der Szene von vorn bis hinten scharf sein wird.
Geschätzte Werte, basierend auf einem Standard-Zerstreuungskreis für jede Sensorgröße.