Sonnenuntergänge und Sonnenaufgänge fotografieren

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Bild: Basile Morin, CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Sonnenuntergänge und -aufgänge scheinen leicht zu fotografieren, doch die Ergebnisse enttäuschen oft: Der Himmel wird blass, das Land schwarz, oder die Farben wirken flacher als in Erinnerung. Das Licht ändert sich schnell, und die Szene hat einen riesigen Helligkeitsumfang – ein paar Entscheidungen zählen hier mehr als sonst. Dieser Ratgeber folgt dem Ablauf eines echten Shootings, von der Planung des Abends bis zur letzten Farbe am Himmel, mit Einstellungen, die du sofort nutzen kannst.

Schnelle Lösungen

ProblemLösungZu Abschnitt
Der Himmel wirkt weiß oder ausgewaschenMit −1 bis −2 EV Korrektur auf den hellen Himmel belichten3
Der Vordergrund ist komplett schwarzEine Belichtungsreihe machen oder das Dunkel als Silhouette nutzen8
Die Farben sind blasser als in WirklichkeitWeißabgleich auf Tageslicht oder Bewölkt statt Auto4
Der Horizont ist schief oder teilt das Bild in der MitteKamera ausrichten und Horizont auf ein Drittel legen5
Du hast vor der besten Farbe eingepacktNoch 20–30 Minuten nach Sonnenuntergang bleiben7
Fotos werden unscharf, wenn das Licht schwindetStativ und 2-Sekunden-Selbstauslöser verwenden7

1Zeit, Richtung und Wetter planen

Die Sonne geht im Lauf des Jahres zu unterschiedlichen Zeiten und an unterschiedlichen Stellen am Horizont auf und unter. Im Sommer geht sie deutlich nördlich von Westen unter, im Winter deutlich südlich. Wenn du weißt, wohin sie wandert, kannst du einen Platz wählen, an dem sie hinter etwas Interessantem versinkt statt hinter einem Gebäude.

Das Wetter entscheidet über die Farbe. Ein völlig klarer Himmel ergibt einen sauberen, aber schlichten Verlauf; vereinzelte hohe oder mittelhohe Wolken fangen das Licht ein und leuchten orange, rosa und rot. Eine dicke, tiefe Wolkenbank am Horizont kann die Sonne ganz verdecken.

So geht's
  • Prüf am Vortag in einer Wetter- oder Sonnenstands-App die genaue Zeit von Sonnenuntergang oder -aufgang und die Richtung der Sonne.
  • Schau dir die Wolkenvorhersage an: Teilweise bewölkt (etwa 30–70 % Bedeckung) bringt oft die schönsten Farben.
  • Sei 30–45 Minuten früher da, um in Ruhe den Bildausschnitt zu finden, aufzubauen und Testaufnahmen zu machen.
  • Für den Sonnenaufgang erkunde den Ort am Vortag bei Tageslicht, damit du nicht im Dunkeln suchen musst.

2Goldene Stunde und Blaue Stunde

Die Goldene Stunde ist die Zeit, in der die Sonne tief steht, etwa die Stunde vor Sonnenuntergang und nach Sonnenaufgang. Das Licht ist warm, weich und kommt von der Seite – ideal für Landschaften und Menschen.

Die Blaue Stunde folgt nach Sonnenuntergang (oder kommt vor dem Aufgang), wenn die Sonne einige Grad unter dem Horizont steht. Der Himmel wird tiefblau, die Lichter der Stadt halten sich mit dem Himmel die Waage, und die Stimmung ist ruhig. Wie lange sie dauert, hängt von Breitengrad und Jahreszeit ab, oft aber nur etwa 20–40 Minuten.

So geht's
  • Nutze die Goldene Stunde für warmes Licht auf der Landschaft und für Porträts mit der Sonne hinter oder neben der Person.
  • Nutze die Blaue Stunde für Stadtansichten, Wasser und Silhouetten vor einem kühlen Himmel.
  • Plane, für beide zu bleiben: Ein Abend liefert dir zwei ganz unterschiedliche Fotoserien.

3Auf den Himmel belichten, nicht auf den Boden

Der Himmel nahe der Sonne ist um ein Vielfaches heller als das Land. Versucht die Kamera, Details im dunklen Boden zu zeigen, wird der Himmel blass und die Farben verschwinden. Belichtest du auf den Himmel, bleiben die Farben satt und der Vordergrund fällt in den Schatten.

Dieser dunkle Vordergrund ist kein Fehler: Menschen, Bäume, Boote oder Felsen werden vor hellem Himmel zu starken Silhouetten.

So geht's
  • Stell die Belichtungskorrektur auf etwa −1 bis −2 EV, oder miss auf einen hellen Teil des Himmels neben der Sonne (nicht auf die Sonne selbst) und speichere die Belichtung.
  • Beginne bei einer Landschaft mit ISO 100 und f/8–f/11, und lass die Verschlusszeit folgen.
  • Schalte die Überbelichtungswarnung ein oder prüf das Histogramm: Der hellste Himmel sollte keine durchgehend blinkende Fläche sein.
  • Für eine Silhouette stell das Motiv vor den hellsten Teil des Himmels und lass rund um seinen Umriss freien Raum.

4Den Weißabgleich so einstellen, dass die Wärme bleibt

Der automatische Weißabgleich versucht, die Szene neutral wirken zu lassen. Bei Sonnenuntergang hält er das orange Licht oft für einen Farbstich und entfernt einen Teil davon – das Foto wirkt kühler und flacher als das, was du gesehen hast.

So geht's
  • Wechsle für natürliche Sonnenuntergangsfarben auf die Voreinstellung Tageslicht (Sonnig), etwa 5200–5500 K.
  • Probier Bewölkt oder Schatten für mehr Wärme, oder stell manuell etwa 6000–7000 K ein.
  • Fotografiere wenn möglich in RAW; dann kannst du den Weißabgleich in der Bearbeitung ohne Qualitätsverlust frei ändern.
  • Zur Blauen Stunde behält Tageslicht das Blau; ein niedrigerer Wert wie 4000 K macht es noch tiefer.

5Mit Vordergrund und geradem Horizont gestalten

Ein Himmel allein ergibt selten ein starkes Foto. Etwas im Vordergrund oder am Horizont gibt Größenverhältnis und einen Grund hinzuschauen: ein Baum, ein Steg, eine Person, Felsen oder ein Boot.

Wasser ist bei Sonnenuntergang ein Geschenk. Ein ruhiger See oder ein stilles Meer spiegelt die Farben und verdoppelt die farbige Fläche im Bild.

Bild: W.carter, CC0 · Wikimedia Commons
So geht's
  • Setz den Horizont nicht in die Mitte. Leg ihn auf das untere Drittel, wenn der Himmel dramatisch ist, auf das obere Drittel, wenn Spiegelung oder Vordergrund interessanter sind.
  • Schalte Raster oder elektronische Wasserwaage ein und halte den Horizont gerade; ein schiefes Meer sieht aus, als würde es auslaufen.
  • Geh tief runter, um Felsen, Sandrippel oder Gras in den unteren Bildrand zu holen.
  • Nimm Wasser mit ins Bild, wenn es geht, und lauf am Ufer entlang, bis die Spiegelung auf einer Linie mit der Sonnenbahn liegt.

6Die Brennweite wählen – und deine Augen schützen

Ein Weitwinkel (etwa 16–35 mm an Vollformat) zeigt den ganzen Himmel, die Wolken und das Land. Ein Teleobjektiv (200 mm und mehr) lässt die Sonne hinter einem entfernten Motiv groß erscheinen, etwa einem Boot, einem Baum auf einem Hügel oder einem Gebäude.

Sicherheit geht vor: Schau niemals durch einen optischen Sucher in die Sonne, schon gar nicht mit einem Teleobjektiv. Das Objektiv bündelt das Licht und kann dein Auge innerhalb von Augenblicken dauerhaft schädigen. Wenn du ein langes Objektiv lange direkt auf eine hohe, helle Sonne richtest, kann das außerdem Sensor oder Verschluss der Kamera beschädigen.

So geht's
  • Nimm für Landschaften mit Vordergrunddetails ein Weitwinkel bei f/8–f/11.
  • Nimm ein Teleobjektiv für eine große Sonne, und nur, wenn die Sonne sehr tief steht und durch Dunst gedämpft ist, direkt am Horizont.
  • Gestalte mit einem langen Objektiv über das rückwärtige Display im Live-View statt über den optischen Sucher, und lass das Objektiv zwischen den Aufnahmen nicht auf die Sonne gerichtet.
  • Ist die Sonne noch zu hell, um sie mit bloßem Auge anzusehen, ist sie auch zu hell für den Sucher.

7Nach Sonnenuntergang weiterfotografieren

Viele packen ein, sobald die Sonne verschwindet, doch die beste Farbe kommt oft später. Etwa 10–30 Minuten nach Sonnenuntergang können die Wolken von unten rosa und rot aufleuchten (das Nachglühen), danach geht der Himmel in die Blaue Stunde über.

Das Licht nimmt jetzt auch schnell ab, die Verschlusszeiten werden lang, und Freihandaufnahmen beginnen zu verwackeln.

Bild: Basile Morin, CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons
So geht's
  • Bleib mindestens 20–30 Minuten nach Sonnenuntergang; beim Sonnenaufgang fang etwa 30 Minuten vor dem Erscheinen der Sonne an.
  • Stell die Kamera aufs Stativ, bleib bei ISO 100–400 und nutze den 2-Sekunden-Selbstauslöser oder einen Fernauslöser.
  • Schalte auf dem Stativ den Bildstabilisator aus und prüf die Schärfe, indem du auf dem Display hineinzoomst.
  • Dreh dich ab und zu um: Der Himmel gegenüber dem Sonnenuntergang kann zarte rosa und violette Streifen zeigen.

8Belichtungsreihen für Himmel und Vordergrund

Manchmal willst du Details im hellen Himmel und im dunklen Land. Keine einzelne Belichtung schafft diesen Umfang, also machst du mehrere Fotos mit unterschiedlicher Belichtung und fügst sie später zusammen (HDR). Viele Handys machen das automatisch.

So geht's
  • Schalte die automatische Belichtungsreihe (AEB) ein: 3 oder 5 Aufnahmen im Abstand von 1–2 EV.
  • Nutze ein Stativ, damit die Bilder deckungsgleich sind, und behalte bei allen Aufnahmen dieselbe Blende (Zeitautomatik oder manuell).
  • Füge die Bilder in deiner Bearbeitungssoftware zusammen und halte das Ergebnis natürlich: keine starken Halos und keine grauen Himmel.
  • Alternativ dunkelt ein Grauverlaufsfilter (etwa 2–3 Stufen) den Himmel in einer einzigen Aufnahme ab.

Bevor du losgehst

  • Zeit und Richtung von Sonnenuntergang oder -aufgang geprüft
  • Wolkenvorhersage geprüft (teilweise bewölkt ist am besten)
  • 30–45 Minuten früher da sein
  • Belichtungskorrektur −1 bis −2 EV
  • Weißabgleich auf Tageslicht oder Bewölkt
  • Horizont gerade und nicht in der Mitte
  • Stativ für die Zeit nach Sonnenuntergang
  • Nie durch den Sucher in die Sonne schauen

Quellen

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