Foodfotografie: Licht, Winkel und Styling, die Gerichte gut aussehen lassen

8 Min. Lesezeit
Foodfotografie: Licht, Winkel und Styling, die Gerichte gut aussehen lassen
Bild: Rohit Saw, CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Essen wirkt in Wirklichkeit lecker wegen seiner Textur, Farbe und seines Dufts. Ein Foto kann nur die ersten beiden zeigen, also leisten Licht und Winkel die meiste Arbeit. Ein Studio brauchst du nicht: Ein Fenster, eine schlichte Unterlage und ein paar Minuten Sorgfalt schlagen jede teure Kamera unter einer Deckenlampe. Dieser Ratgeber behandelt Licht, Winkel, Styling, Hintergrund, Farbe und Handy-Einstellungen und zeigt dann, wie du für soziale Medien gestaltest und im Restaurant höflich fotografierst.

Schnelle Einrichtung

EinstellungStartwertAbschnitt
LichtFenster seitlich oder leicht hinter dem Teller1
WinkelVon oben für flache Gerichte, etwa 45° für hohe2
Blendef/2.8–f/5.6 bei 45°, f/5.6–f/8 von oben2
WeißabgleichAuto oder Tageslicht; in der Bearbeitung korrigieren5
Handy-Objektiv2x für weniger Verzerrung6
BelichtungEtwas hell, Lichter nicht ausgefressen6
Format4:5 hochkant für Feeds, 9:16 für Storys7

1Nutze seitliches Fensterlicht statt Deckenlampen

Licht von der Seite zeigt Textur: die Krume des Brots, den Glanz einer Soße, die Körner des Reises. Licht direkt von oben, etwa von einer Deckenlampe, lässt Essen flach wirken, wirft deinen eigenen Schatten auf den Teller und hat oft einen Gelb- oder Grünstich. Weiches Tageslicht aus einem Fenster, am besten ohne direkte Sonne, ist das einfachste gute Licht, das es gibt.

Licht von leicht hinter dem Teller (Gegenlicht) lässt Getränke, Suppen und Dampf leuchten, während Seitenlicht zu den meisten festen Gerichten passt.

So geht's
  • Stell den Tisch so, dass das Fenster links oder rechts vom Teller liegt oder leicht dahinter.
  • Schalte Deckenlampen und Leuchten aus, damit sie sich nicht mit dem Tageslicht mischen.
  • Mildere harte Sonne mit einem dünnen Vorhang oder Backpapier, das du ans Fenster klebst.
  • Hell dunkle Schatten mit einem weißen Karton, einer Serviette oder einer Speisekarte auf, die du dem Fenster gegenüber hältst.

2Wähle den Winkel: von oben oder 45°

Der Winkel sollte zur Form des Essens passen. Flache Gerichte wie Pizza, Salate, Bowls und ganze gedeckte Tische sehen direkt von oben am besten aus, wo Muster und Anordnung zur Geltung kommen. Hohe oder geschichtete Speisen wie Burger, Torten, Getränke und Stapel wirken am besten aus etwa 45° oder tiefer, wo du ihre Höhe und Schichten siehst.

Bei 45° kommt der Hintergrund ins Bild, also halte ihn aufgeräumt. Von oben wird die ganze Fläche zum Hintergrund.

So geht's
  • Frag dich: Liegt das Interessante oben oder an der Seite? Oben heißt von oben, Seite heißt 45° oder Augenhöhe.
  • Für Aufnahmen von oben stell dich hin oder auf einen stabilen Stuhl und halte die Kamera parallel zum Tisch.
  • Nutze bei 45° eine offenere Blende wie f/2.8, um den Hintergrund sanft unscharf zu machen.
  • Mach im Zweifel beide Varianten; das kostet nur ein paar Sekunden.

3Richte den Teller an

Kleine Handgriffe lassen ein Gericht frisch und liebevoll wirken. Wisch Tropfen vom Tellerrand, füg eine Garnitur hinzu, die zum Rezept gehört, und zeig ein Zeichen von Benutzung wie einen Löffel oder ein abgerissenes Stück Brot. Requisiten sollen das Essen unterstützen, nicht mit ihm konkurrieren.

Essen verändert sich schnell: Kräuter welken, Käse wird fest, Eis schmilzt und Dampf verschwindet innerhalb von ein, zwei Minuten. Bereite zuerst die Szene vor und bring das Essen zuletzt dazu.

Richte den Teller an
Bild: PattayaPatrol, CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons
So geht's
  • Richte Requisiten, Licht und Kamera mit einem leeren Teller ein und tausch dann das heiße Gericht ein.
  • Nimm wenige Requisiten in ruhigen Farben: Leinenserviette, schlichtes Besteck, ein Schälchen mit einer Zutat.
  • Gib direkt vor der Aufnahme eine frische Garnitur, einen Schuss Öl oder eine Prise Salz dazu.
  • Fotografiere Dampf vor dunklem Hintergrund im Gegenlicht und drück sofort ab.

4Achte auf Hintergrund und Freiraum

Ein unruhiger Hintergrund wie eine gemusterte Tischdecke, Handykabel oder die Teller anderer zieht die Aufmerksamkeit vom Gericht ab. Schlichtes Holz, Stein, Leinen oder eine matte Platte halten den Fokus auf dem Essen. Freiraum, also die leere Fläche um das Motiv, gibt dem Auge Ruhe und lässt Platz für Text, wenn das Bild online verwendet wird.

So geht's
  • Räum alles vom Tisch, was nicht zur Geschichte gehört.
  • Nutze eine matte Unterlage; glänzende Tische spiegeln Fenster und Lampen.
  • Lass auf einer Seite etwa ein Drittel des Bildes frei und platziere das Gericht nach der Drittelregel außerhalb der Mitte.
  • Wähle Hintergrundfarben, die sich vom Essen abheben: dunkle Flächen für helle Gerichte, helle für dunkle.

5Triff den Weißabgleich

Falsche Farben machen Essen am schnellsten unappetitlich. Glühlampen bringen Orange, manche LEDs Grün, und Schatten bringt Blau. Unsere Augen passen sich an, Kameras nicht immer. Frisches Essen soll aussehen wie es selbst: Weiß weiß, Grün frisch, Fleisch warm, aber nicht orange.

So geht's
  • Nutze nur eine Lichtart; schalte am Fenster die Lampen aus.
  • Stell den Weißabgleich am Fenster auf Auto oder Tageslicht und fotografiere wenn möglich in RAW.
  • Leg eine weiße Serviette oder einen weißen Teller als Referenz ins Bild und korrigiere in der Bearbeitung darauf.
  • Vermeide starke Filter; eine leichte Verschiebung ins Warme ist in Ordnung, kräftige Farbstiche nicht.

6Handy-Tipps: 2x-Objektiv, Tippen zum Fokussieren, Belichtungsregler

Handys machen gute Foodfotos, aber das weitwinklige Hauptobjektiv kann Teller verzerren und nahe Gegenstände gestreckt wirken lassen. Wechselst du zum 2x- (oder 3x-)Objektiv und gehst zurück, wirkt die Form natürlicher. Handys machen Essen außerdem gern zu dunkel oder zu hell, was der Belichtungsregler behebt.

So geht's
  • Wechsle zum 2x-Objektiv und geh etwa 30 cm zurück, statt mit 1x von ganz nah zu fotografieren.
  • Tipp auf den wichtigsten Teil des Gerichts, um dort scharfzustellen.
  • Zieh den Belichtungsregler (bei vielen Handys das Sonnensymbol) leicht nach oben für helles, luftiges Licht oder nach unten, wenn Lichter weiß werden.
  • Schalte den Blitz aus, wisch das Objektiv ab und nutze den Porträtmodus vorsichtig: Er kann Tellerränder unnatürlich weichzeichnen.

7Gestalte für die Formate sozialer Medien

Jede Plattform beschneidet anders. Ein 4:5-Hochformat füllt in den meisten Feeds den meisten Platz, 1:1 passt zu Rastern, und 9:16 eignet sich für Storys und kurze Videos. Ein eng im 3:2-Format gestaltetes Foto kann beim späteren Beschneiden die Garnitur oder den Tellerrand verlieren.

So geht's
  • Entscheide vor der Aufnahme, wo das Foto erscheinen soll, und stell Kamera oder Handy wenn möglich auf dieses Format ein.
  • Lass andernfalls an allen Seiten Platz, damit du später auf 4:5, 1:1 oder 9:16 beschneiden kannst.
  • Halte das Hauptgericht bei 9:16 vom obersten und untersten Rand fern, wo Schaltflächen und Bildunterschriften erscheinen.
  • Prüf die Vorschaubilder: Das Gericht sollte auch klein noch erkennbar sein.

8Halte dich an die Etikette im Restaurant

Die meisten Restaurants haben nichts gegen ein schnelles Foto, aber lange Shootings, Blitz und verschobene Möbel stören andere Gäste und das Personal. Manche gehobenen Restaurants sehen Fotos gar nicht gern. Im Mittelpunkt steht das Essen; ein Foto sollte Sekunden dauern, nicht Minuten.

So geht's
  • Frag das Personal, wenn du mehr als ein schnelles Foto vorhast, und akzeptiere ein Nein.
  • Nutze nie den Blitz, steig nicht auf Stühle und verschieb keine anderen Tische.
  • Reserviere einen Fenstertisch, wenn dir Fotos wichtig sind.
  • Fotografiere in weniger als einer Minute, iss dann, solange es heiß ist, und fotografiere andere Gäste nicht ohne ihre Erlaubnis.

Vor der Aufnahme

  • Fensterlicht von der Seite, Deckenlampen aus
  • Winkel passend zur Form des Gerichts gewählt
  • Tellerrand abgewischt, frische Garnitur dazu
  • Hintergrund aufgeräumt, Freiraum gelassen
  • Weißabgleich an etwas Weißem geprüft
  • Handy auf 2x, Fokus angetippt, Belichtung angepasst
  • Format für 4:5, 1:1 oder 9:16 gewählt
  • Blitz aus, im Restaurant schnell und höflich

Quellen

Passende Ratgeber