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Weißabgleich und Farbtemperatur

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Weißabgleich und Farbtemperatur
Bild: Bhutajata, CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Kurz gesagt

  • Jede Lichtquelle hat eine Farbe; deine Augen passen sich an, der Kamera musst du es sagen.
  • Farbtemperatur wird in Kelvin (K) gemessen: niedrige Werte sind warm und orange, hohe kühl und blau.
  • Der automatische Weißabgleich funktioniert bei den meisten Lichtverhältnissen gut; bei schwierigem Licht ist eine Graukarte oder ein manueller Abgleich zuverlässiger.
  • Bei RAW ist der Weißabgleich nur eine Einstellung, die du später ohne Qualitätsverlust ändern kannst.

Licht hat eine Farbe

Eine Kerze, eine Wohnzimmerlampe und ein bewölkter Himmel wirken auf dich alle ungefähr „weiß“, weil sich dein Gehirn unbemerkt an das Umgebungslicht anpasst. Ein Kamerasensor passt sich nicht an. Er zeichnet das Licht auf, wie es wirklich ist – deshalb wird ein von Glühbirnen beleuchteter Raum orange und eine Szene im Schatten blau.

Der Weißabgleich ist die Korrektur, die der Kamera sagt, welche Farbe als neutrales Weiß gelten soll, damit alle anderen Farben stimmen.

Die Kelvinskala

Die Farbtemperatur stammt aus der Physik: Erhitzt man einen idealen dunklen Körper, glüht er erst mattrot, dann orange, dann weiß und bei noch höherer Temperatur bläulich. Die Temperatur dieses Glühens in Kelvin dient zur Beschreibung der Lichtfarbe. Der Farbbalken auf dieser Seite zeigt diesen Bereich von etwa 800 K bis 12.200 K.

Typische ungefähre Werte:

Kerzenflamme: etwa 1900 K.

Glühlampen und warmweiße Lampen im Haushalt: etwa 2700–3200 K.

Tageslicht zur Mittagszeit: etwa 5200–5600 K.

Bedeckter Himmel: etwa 6500 K.

Schatten unter blauem Himmel: etwa 7000 K oder mehr.

Das sind grobe Richtwerte; echtes Licht schwankt mit Tageszeit, Wetter und der jeweiligen Lampe.

Warum „warm“ eine niedrige Zahl ist

Im Alltag empfinden wir Orange und Rot als warm, Blau als kühl. In der Physik ist es umgekehrt: Ein heißeres Glühen ist blauer. „Warmes“ Licht hat also eine niedrige Kelvinzahl, „kühles“ eine hohe.

Dazu kommt ein zweiter Haken. Der Kelvinwert, den du an der Kamera einstellst, beschreibt das Licht, das korrigiert werden soll, nicht den Look, den du bekommst. Mit 3200 K sagst du der Kamera „das Licht ist orange“, also fügt sie Blau hinzu. Stellst du bei Tageslicht 3200 K ein, wird das Foto blau; bei 7500 K wird es warm.

Automatik, Voreinstellungen und manueller Abgleich

Automatik (AWB): Die Kamera schätzt anhand der Szene. Bei Tageslicht und gemischten Szenen ist das gut, sie lässt sich aber von einem Bild voller einer Farbe täuschen, etwa einem Sonnenuntergang oder grünem Rasen, und lässt unter Glühbirnen gern etwas Wärme stehen.

Voreinstellungen: Tageslicht, bewölkt, Schatten, Kunstlicht, Leuchtstofflampe, Blitz. Jede ist einfach ein gespeicherter Kelvinwert (plus Tönung). Sie sorgen für gleichbleibende Farben in einer Bildserie.

Kelvin: Du stellst die Zahl direkt ein, zum Beispiel 3000 K in Innenräumen.

Manuell oder mit Graukarte: Fotografiere eine neutrale graue oder weiße Karte im selben Licht und lass die Kamera sie als Referenz verwenden. Das ist die genaueste Variante, nützlich für Produkte, Kunstwerke oder Hauttöne.

Tönung und Mischlicht

Kelvin deckt nur die Achse Orange–Blau ab. Manches Licht, vor allem Leuchtstoffröhren und billige LEDs, hat zusätzlich einen Grün- oder Magentastich. Die Tönungseinstellung verschiebt die Farbe entlang dieser zweiten Achse.

Mischlicht ist schwieriger: Ein Fenster auf der einen und eine Lampe auf der anderen Seite können nicht beide gleichzeitig neutral sein. Meist gleichst du auf das Hauptlicht im Gesicht ab und nimmst hin, dass der Rest wärmer oder kühler ist – oder du schaltest eine Lichtquelle aus.

Wenn „falsch“ richtig ist – und RAW

Ein korrekter Weißabgleich ist nicht immer das Ziel. Eine Szene zur goldenen Stunde, auf neutral „korrigiert“, verliert das warme Leuchten, wegen dem du überhaupt fotografiert hast; die Voreinstellung Tageslicht oder bewölkt bewahrt es meist. Eine etwas kühlere Einstellung kann Schnee oder eine Stadt zur blauen Stunde kälter und ruhiger wirken lassen.

Fotografierst du in RAW, wird der Weißabgleich nur als Notiz neben den Daten gespeichert. Du kannst ihn bei der Bearbeitung frei und ohne Qualitätsverlust ändern. Bei JPEG ist er fest eingerechnet; kleine Korrekturen gehen, große schaden den Farben. Bei kniffligem Licht ist RAW deshalb die sichere Wahl.

Quellen

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